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Ohne Brief, aber mit Siegel

Bislang hat es das Briefgeheimnis noch nicht so richtig ins Internet geschafft: Normale E-Mails werden so offen verschickt wie Postkarten. Jeder könnte sie auf ihrem Transportweg vom Sender zum Empfänger lesen. Geschäftsschreiben per Post würde kaum jemand so offen versenden – aber bei E-Mails macht sich kaum jemand Gedanken darüber. Verschlüsselungstechniken werden nur auf einen Bruchteil der E-Mails angewendet. Das liegt zum einen am mangelnden Bewusstsein für die Offenheit der Standard-E-Mail, zum anderen an den in der Regel doch komplizierten Techniken zur Verschlüsselung und der fehlenden Standardisierung, sodass quasi jeder mit verschlüsselten E-Mails arbeiten könnte.

Auf der CeBIT nimmt die das Thema eine prominente Rolle ein. Zum einen wirbt die Deutsche Post großflächig für ihren E-Postbrief, der so sicher und geheim ist wie ein physischer Brief und seit dem vergangenen Jahr bereits genutzt werden kann. Zwar haben sich über eine Millionen Anwender für diesen digitalen Briefservice registriert, doch noch ist er weit davon entfernt, so breiten Zuspruch zu finden wie der gute alte Postbrief.

Die Deutsche Telekom und auch andere Dienstleister wie Mentana Claimsoft aus dem Hause Francotyp Postalia stellen zur diesjährigen CeBIT eine Alternative dazu vor: die E-Mail, die den rechtlichen Anforderungen des DE-Mail-Gesetzes entspricht. Das Gesetz hat der Bundestag im vergangenen Jahr verabschiedet. Darin wird geregelt, welche Voraussetzungen erfüllt werden kann, dass eine E-Mail als DE-Mail versendet und als rechtskräftiges Dokument anerkannt wird. Jetzt sind die ersten Anbieter so weit, die rechtlichen und technischen Anforderungen zu erfüllen, sodass sie ihren Service Kunden anbieten können.

DE-Mail und E-Postbrief erheben gleichermaßen den Anspruch, zuverlässig, sicher und geheim vom Versender zum Empfänger zu kommen. Die Deutsche Post hat dafür einen eigenen Weg gewählt. DE-Mail-Anbieter wie Deutsche Telekom, Mentana Claimsoft und United Internet hingegen erfüllen die gesetzlichen Auflagen und sind damit für rechtskräftige Vereinbarungen besser einzusetzen.

Einen weiteren Unterschied gibt’s: Bei der Deutschen Post kostet ein E-Postbrief so viel wie ein Standardbrief per physischer Post, nämlich 55 Cent. Den Preis für DE-Mail bei der Deutschen Telekom hat Konzernchef René Obermann jetzt bekanntgegeben: 39 Cent soll eine DE-Mail bei der Telekom kosten. “Dafür gibt es eine DE-Mail. Ohne Brief, aber mit dem Siegel der Sicherheit”, so Obermann. Mengenrabatte sind für Großkunden möglich. Bei der Telekom ist DE-Mail zunächst auf Testanwender und Geschäftskunden beschränkt. Im September soll der Service für jeden Bürger zur Verfügung stehen.